So, nun bin ich wieder zurück vom Gesundheitsschiff. Es war eine spannende Zeit, doch ich bin sehr froh wieder zu Hause zu sein. Ich habe meine Familie wahnsinnig vermisst.Am ersten Tag hatte ich schreckliche Kopfschmerzen, da das Schiff nicht so gross ist merkt man jede Welle und torkelt durch die Gänge. Das Herzzentrum, in welchem ich tätig war, befand sich auf dem obersten Deck und da spürt man die Wellen auch gleich noch einmal mehr. Doch schon nach dem ersten Tag auf See hatten wir dann jeweils an Land Mühe und sobald wir auf dem Schiff waren, fanden wir die Welt wieder in Ordnung. So schnell kann sich der menschliche Körper an was Neues gewöhnen!
Der erste Landausflug war in Palermo. Nachdem wir über 24 Stunden auf dem Meer waren, war es eine Wohltat mal wieder an einem Ort zu gehen, ohne dass man nach zwanzig Schritten schon wieder am gleichen Ort war. Nein, ganz so klein war das Schiff nicht, doch es ist wahnsinnig langweilig, wenn man nur auf dem Schiff sein kann. Sonnenbaden geht nur einige Minuten, da ich danach nur Sonnenbrand kriege. Das Pool war sehr klein und dann gab es noch zwei Whirlpools, doch die sind erst am Abend wenn es schon ein wenig kühler wird nett.
In Palermo schlenderten wir durch die Strassen und klapperten auch ein paar Geschäfte ab. In den Geschäften ging es mir ziemlich schlecht, da die dummen Gestelle immer auf mich zu kamen - so gemein. Draussen ging es schon besser. Wir sahen uns die Kathedrale an und kamen auch am Gemüse- und Fruchtmarkt vorbei. In der Kathedrale lernten wir, warum wir alle Sizilianer sind - sofern man zum Christentum gehört! Damit ihr keine Bildungslücken habt, erzähle ich es euch. Also Adam und Eva bedeckten ihre Blösse ja mit einem Feigenblatt und Feigenbäume stammen aus? - Genau - aus Sizilien. Deshalb ... ok, als Nicht-Sizilianer muss man den Zusammenhang ja nicht unbedingt sehen. 
Der nächste Halt war Ibiza. Leider bliess ein starker Wind, so dass wir nicht anlegen konnten und vor dem Hafen stehen bleiben mussten. Den ganzen Nachmittag warteten wir auf den Landgang, doch vergebens! Erst am Abend konnen wir an Land. Ich ging mit meiner Zimmerkollegin zur Burg hoch und da genossen wir die Aussicht auf den Hafen. Danach schlenderten wir noch durch die Gassen von Ibiza und zu guter Letzt fanden wir eine Bar, die frisch gepresste Säfte anbot. Nach einer Stunde kam dann die Bedienung und meinte, dass sie nun keine Früchte mehr hätte. In der Zwischenzeit konnte das Schiff anlegen und wir mussten nicht mehr mit den kleinen Rettungsbooten zum Schiff zurück.
Ibiza ist bekannt für seine weissen Kleider mit Spitzen und Stickerein. Ich fand eines in hellrosa und noch zum halben Preis - da musste ich einfach zuschlagen. Zaubermaus freute sich riesig über Mamis Geschenk!
Ein Tag später trafen wir in Palma de Mallorca ein. Eigentlich dachte ich mir, dass ich das nicht sehen wollte. Aber falsch, die Stadt ist sehr, sehr schön und hat einiges zu bieten. Die Gassen mit den bunten Häuser, die Hafenpromenade oder die Kathedrale... Es war sehr schön und wir genossen bei strahlendem und warmen Wetter die schöne Seite unserer Reise. Wenn ich hier auch nur von den Landgängen erzähle, so waren wir doch jeden Tag bei der Arbeit. Die Passagiere konnten sich für fünf Gesundheitszentren (23 standen zur Auswahl) anmelden und bekamen dann einen Termin. Bei uns bekamen alle, die fit genug waren, ein Belastungs-EKG (runterscrollen, dann seht ihr mich in Aktion!). Bei dieser Untersuchung wird ein EKG geklebt und der Blutdruck wird regelmässig kontrolliert. Dann muss man strampeln; dabei sollte man immer eine gleichmässige Umdrehungszahl beibehalten. Nach einer gewissen Zeit wird es anstrengender und irgendwann kann man nicht mehr. Dabei will man sehen, wie das Herz auf Belastung reagiert. Wir waren das grösste Team und konnten uns die Tage aufteilen. Entweder haben wir am Morgen oder am Nachmittag gearbeitet. So kam man immer an Land, wenn auch meist nur für einige wenige Stunden!
Nachdem wir den Hafen von Palma verlassen hatten, nahm das Schiff Kurs nach Barcelona. Auf diese Stadt hatte ich mich gefreut seit ich auf dem Schiff war. Schon lange wollte ich mal nach Barcelona und nun hatte ich die Gelegenheit. Damit ich mehr Zeit für die Stadt hatte, konnte ich mit einer Mitarbeiterin den Dienst tauschen - Herzlichen Dank nochmals!!!
Wir fuhren mit dem Touristenbus durch die Stadt und stiegen im Zentrum aus, damit wir die unvollendete Kirche 'Sagrada Familia' anschauen konnten. Auf dem Weg dahin liefen wir an einem von vielen Gaudihäusern vorbei. Doch leider stellten wir vor der Kirche fest, dass die Zeit nicht mehr reichte und wir zurück zur Arbeit mussten.
Ich nahm mir vor, bald wieder hierher zu kommen, doch das nächste Mal unbedingt mit meiner Familie!
Am letzten Tag führte unser Weg nach Korsika - oder, genauer - nach Calvi. Was für ein malerisches Stück Erde!!!
In Calvi war noch Flohmarkt, was überaus spannend war. Es gab natürlich viel Ramsch, doch auch Antiquitäten standen da. Wir nahmen den Weg hoch zur Zitadelle, von wo wir einen schönen Blick auf unser Schiff hatten. Der Hafen von Calvi ist nicht tief genug für das Schiff, so dass wir wieder mit den Tenderboote an Land gebracht wurden. Das Schwanken an Land war nach einer Woche noch viel ausgeprägter als noch in Palermo.
Am Abend liefen wir dann in Monaco ein, wo es eine Zeremonie zur Verabschiedung von uns (dem Medizinalpersonal) gab. Am nächsten Morgen standen dann die verschiedenen Busse da, welche die vierhundert Passagiere und hundert Personen Medizinalpersonal nach Hause brachten. Somit war das lange Warten zu Ende und ich konnte meine Familie wieder in die Arme schliessen und wollte sie auch gar nicht mehr loslassen.
Es war eine tolle Reise auf der wir viel erlebt hatten; wir waren zum Glück gut ausgerüstet, so dass wir den Leuten auch helfen konnten. Schon am ersten Tag stürzte eine Frau, welche dann einen Tag später, in Palermo, nach Hause geflogen wurde um sich behandeln zu lassen. Eine weitere Frau wurde von einem anderen Zentrum geschickt, da sie einen sehr hohen Puls hatte. In der Tat schlug ihr Herz um die 150 Mal in der Minute und wir mussten ihr eine Infusion legen, damit wir ihr ein Medikament injizieren konnten, damit ihr Herz wieder in einem normalen Rhythmus schlug. Dann gab es natürlich auch einen Mann, der kollabierte und keine messbaren Blutdruck mehr hatte und auch der Überraschungen mehr.
Es war also immer etwas los - so wurde es uns nicht langweilig! Ansonsten habe ich gemerkt, dass ich nicht der Typ für Kreuzfahrten bin, das wäre mir auf Dauer zu langwelig, wenn ich nicht arbeiten müsste.