Das letzte Wochenende haben wir im Igludorf oberhalb von Zermatt verbracht. Die Idee zu diesem Abenteuer ist scheinbar im Jahre 1996 entstanden und zwar im Unterengadin, in Scuol. Der Freerider Adrian Günter war in den Wintermonaten oft am Abend nur mit Thermoschlafsack, Proviant und Schneeschaufel losgezogen um einen Berg hoch zu stapfen. Zum Schlafen hat er sich ein kleines Iglu-Biwak gegraben. Schon nach kurzer Zeit wusste jeder in dieser Szene von dieser speziellen Übernachtungsmöglichkeit und wollte seine Iglus mieten.

So wurde zuerst in Scuol mit drei Iglus begonnen und später kamen immer mehr dazu. Heute gibt es in der Schweiz (Zermatt, Davos, Engelberg und Gstaad), in Deutschland (Zugspitze) und in Andorra Igludörfer. Aus den anfänglichen kleinen Iglus wurden luxuriöse Ensembles mit Bar, Whirlpool und Toiletten.

Wie werden diese Iglus gebaut? Diese Frage habe ich natürlich schon sehr bald gestellt, da es mich doch sehr interessiert. Also die Iglus werden nicht mehr nach Art der Inuit aus Schneeplatten gebaut, sondern man bläst spezielle Ballons, mit einem Durchmesser von bis zu 10 Metern, auf. Über diese wird meterhoch Kunstschnee geschüttet. Die Schlafiglus sind schon nach zwei Stunden so fest, dass man das Luftventil öffnen kann. Das Aufenthaltsiglu benötigt ein bisschen länger, bis der Schnee hart genug ist. Alleine für die Iglus wird 3000 m3 Kunstschnee (er ist stabiler als Naturschnee) benötigt. Die Wanddicke wird täglich nachgemessen, damit auch wirklich kein Dach einstürzen kann. Die Nächte oberhalb von Zermatt sind zwischen -15 bis -20 Grad Celcius kalt - also kann kaum etwas schmelzen. Im Gegenteil, es muss immer etwas Wand abgetragen werden. Bevor wir hingingen hatte ich grossen Respekt, da ich mir dachte, dass ich mit meiner Platzangst nicht schlafen könne, aber dem war nicht so! Die Iglus sind sehr hoch, so dass man kein einziges Mal Angst zu haben braucht.


Die Igludörfer sind vor allem bei Romantikern und frisch verliebten Paaren sehr beliebt, so dass es nicht erstaunt, dass es schon eine Iglusuite gibt. Diese besteht aus drei Iglus: einem Schlafiglu, einem Iglu mit Whirlpool (natürlich mit Blick aufs Matterhorn) und einem Bad-Iglu. Geschlafen wird auf einer Isomatte in einem Expeditionsschlafsack. In den Romantikiglus gibt es noch ein Lammfell auf der Isomatte. Darauf mussten wir leider verzichten...
Am Abend wird man im Restaurant Riffelberg abgeholt, fährt dann noch eine Station mit der Gornergratbahn und läuft danach ein paar Meter zum Igludorf, welches auf 2727 müM liegt. Der Atem sowie das Herz werden schneller und man wird darauf aufmerksam gemacht viel zu trinken. Nach einem Begrüssungsdrink werden die Termine für Fondue, Schneeschuhwanderung und Whirlpool vergeben. Es muss alles sehr genau organisiert werden, damit jeder auf seine Kosten kommt. Damit man auch genug in Bewegung bleibt, wird den Gästen nichts gezeigt, sondern man macht sich selber auf Endteckungsreise. Die Skulpuren die man überall findet werden von Bildhauern, Inuits und Künstlern in mühevoller Kleinarbeit hergestellt.

Unsere Schneeschuhwanderung ging erst um 20:30 Uhr los. Die Aussentemperatur war auf -14 Grad Celcius gesunken. Schon nach dem Anziehen der Schneeschuhe waren meine Hände klamm und es wurde so schlimm, dass ich die Schneeschuhe nur noch mit Mühe und Not ausziehen konnte. Auf dem höchsten Punkt der Wanderung wurde ein Schnaps angeboten, vielleicht hätte ich zuschlagen sollen... Zurück im Iglu habe ich dann mal meine Hände in die Hände meines Schatzes gelegt, so dass sie bald wieder warm wurden.
Damit man das Whirlpool benützen kann muss man zuerst in den Bikini steigen. Es gibt einen beheizten Raum (15 Grad Celcius), da zieht man sich um, rennt über die eisigen Bretter, bis man endlich im warmen Wasser angekommen ist. Im Whirlpool heizt man sich für die Nacht auf. Ich dachte ja nicht, das es klappen würde, aber es war tatsächlich so. Im Igluinneren ist es zwischen 0 und -5 Grad Celcius. Aber ich habe mich in der Nacht immer mehr meiner Kleider entledigt, weil ich so warm hatte - ansonsten bin ich als Frostbeule bekannt, dass soll also was heissen.
Am Morgen wird man mit einem Kräutertee geweckt und dann versammelt man sich vor dem Iglueingang oder -ausgang, erhält einen Plastikschlitten und fährt über die Skipiste zum Restaurant runter, wo ein reichhaltiges Frühstücksbuffet das Ganze abrundet.


Ein gelungenes Abenteuer, das ich jedem empfehlen kann. Aber ich würde es in Zermatt nicht mit Kindern zusammen in Angriff nehmen. Schon Erwachsenen macht die Höhe zu schaffen. Unsere Zaubermaus war schon am frühen Abend total kaputt und fror jämmerlich. Zum Glück gab es diesen Aufwärm-Raum und danach ging es schnurstracks in den Schlafsack. Ins Whirlpool kam sie dann wieder mit und blühte förmlich auf. Schlafen tut man natürlich auch nicht so gut, wie auf unserer Höhe, aber es lohnt sich trotzdem, wie wir alle finden!


Wir, die Knuddeltiger-Family, wünschen euch allen eine wunderschöne Woche und ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr!!